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Schumanns vergessene Oper
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Schumann. Genoveva (Gesamtaufnahme) (Audio CD) Fragt man hundert Klassikfreunde, wird man kaum einen einzigen finden, der von der Existenz diese Oper weiß, geschweige denn sie schon einmal gehört oder gesehen hat. Und in der Tat: Ein Meisterwerk ist Schumann hier nicht geglückt.
Die musikalische Sprache dieses Werks, angesiedelt im "Niemandsland" zwischen Carl Maria von Weber und Richard Wagner, ist hochromantisch, mit düster-schweren Streicher- und Jagdhornklängen. Die gesamte Oper durchweht ein spezifisch deutsches Gepräge (Schumann strebte - wie Wagner - nach der "deutschen Nationaloper") mit teilweise kuriosen Resultaten. So steht gleich am Anfang ein lutherischer Choral, der in ein martialisches Kampflied aus der Kreuzfahrerzeit (in der es noch keinen Protestantismus gab) gewendet wird.
Dominiert wird die Oper von begleiteten Rezitativen; Arien und Ensembles findet man kaum. Dramatisch und musikalisch wirklich gelungen sind nur wenige Szenen, etwa jene, in der es zum endgültigen Bruch zwischen Genoveva und Golo kommt, nachdem jene diesen als "ehrlosen Bastard" beschimpft hat. Schumanns Bemühen, den erhabenen Ton der versunkenen Opera seria in die "moderne" Oper zu retten, führt vor allem im letzten Akt von "Genoveva" zu einer nur schwer erträglichen Schwülstigkeit. Dies, zusammen mit dem völligen Fehlen der für die Genoveva-Legende zentralen (und auch in die literarischen Vorlagen von Tieck und Hebbel aufgenommenen) siebenjährigen Verbannung der Protagonistin, mag ein wichtiger Grund für die sehr verhaltene Resonanz dieser Oper beim Leipziger Premierenpublikum im Jahre 1850 gewesen sein.
Die vorliegende Einspielung des Gewandthausorchesters unter Kurt Masur zeigt den musikalisch und technisch hohen Standard von DDR-Klassikaufnahmen aus den siebziger Jahren. Der damaligen Praxis entsprechend stehen die Gesangssolisten sehr stark im Vordergrund, was bei den hervorragend besetzten Partien von Golo (Peter Schreier) und Siegfried (Dietrich Fischer-Dieskau) nicht weiter stört. Anders verhält es sich bei den beiden weiblichen Protagonistinnen. Edda Moser singt die Genoveva mit viel dramatischem Einsatz, mitunter an Hysterie grenzend, doch hätte man sich in dieser Rolle einen weniger schrillen und mehr lyrischen Sopran gewünscht. Der "kehlige" Mezzosopran von Gisela Schröter als Margaretha ist ebenfalls kein Ohrenschmaus und geht zudem auf Kosten einer klaren Artikulation.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 24. Mai 2009 | | | | | | | |
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